{"id":1315,"date":"2025-01-24T11:12:55","date_gmt":"2025-01-24T10:12:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jakobhauer.at\/blog\/?p=1315"},"modified":"2025-07-25T19:27:51","modified_gmt":"2025-07-25T17:27:51","slug":"blase-oder-revolution-ein-realitatscheck-uber-kunstliche-intelligenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.jakobhauer.at\/blog\/blase-oder-revolution-ein-realitatscheck-uber-kunstliche-intelligenz\/","title":{"rendered":"Blase oder Revolution: Ein Realit\u00e4tscheck \u00fcber k\u00fcnstliche Intelligenz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einige scheint <a href=\"https:\/\/www.jakobhauer.at\/blog\/category\/digital\/kuenstliche-intelligenz\/\">K\u00fcnstliche Intelligenz<\/a> (KI) die Antwort auf nahezu alle Probleme zu sein, w\u00e4hrend andere sie als \u00fcbertriebenen Hype ansehen, der sich aus gigantischen Datensammlungen speist. Egal, wo man sich in diesem Spektrum befindet, eines ist unbestreitbar: Das Thema KI ist derzeit allgegenw\u00e4rtig. Der Boom, ausgel\u00f6st durch die Ver\u00f6ffentlichung von ChatGPT Ende 2022, h\u00e4lt auch zwei Jahre sp\u00e4ter unvermindert an. Investoren stecken enorme Summen in die Technologie, und die Versprechungen werden immer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig mehren sich die kritischen Stimmen, die darauf hinweisen, dass die finanzielle Tragf\u00e4higkeit dieses Trends fraglich ist. Es wird auf grundlegende Schw\u00e4chen und den bisher begrenzten Nutzen hingewiesen, und vor einer m\u00f6glichen Blasenbildung wird gewarnt. Es ist an der Zeit, einen genaueren Blick auf den Stand der Dinge zu werfen: auf Fortschritte, Trends, Probleme und \u00fcberzogene Erwartungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die erste H\u00fcrde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst eine schlechte Nachricht: Die Weiterentwicklung von Large Language Models (LLMs), die der generativen KI zugrunde liegen, verl\u00e4uft nicht mehr so rasant wie erhofft. Zwar gibt es Fortschritte, doch fallen diese weitaus geringer aus, als viele prognostiziert hatten. Dieser Umstand wird inzwischen auch von f\u00fchrenden Unternehmen wie Google und OpenAI offen einger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wesentlicher Grund daf\u00fcr ist, dass man an eine nat\u00fcrliche Grenze im Training dieser Modelle gesto\u00dfen ist: Das gesamte verf\u00fcgbare menschliche Wissen scheint weitgehend ausgesch\u00f6pft zu sein. Obwohl dies nicht \u00fcberraschend ist, wurden die Hoffnungen, mit computergenerierten Daten weiter voranzukommen, bislang nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar gibt es weiterhin Optimierungen im Training und Finetuning, die die Leistungsf\u00e4higkeit der Modelle verbessern. Doch die einst verbreitete Annahme, dass man diese Modelle einfach endlos skalieren k\u00f6nnte, scheint sich als Trugschluss herauszustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Reasoning<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Branche hat jedoch bereits einen L\u00f6sungsansatz: sogenannte Reasoning-Modelle sollen die Entwicklung wieder vorantreiben. Die Idee dahinter ist, dass eine KI eine Fragestellung in mehreren Schritten selbst analysiert und abw\u00e4gt, um schlie\u00dflich zu besseren Ergebnissen zu gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass dies grunds\u00e4tzlich funktioniert, hat OpenAI vor einigen Monaten mit dem Modell \u201eo1\u201c gezeigt. Mittlerweile arbeiten auch andere Unternehmen an \u00e4hnlichen Ans\u00e4tzen, etwa Google mit einer Reasoning-Variante seines Gemini-Modells. Vor Kurzem hat OpenAI mit \u201e<a href=\"https:\/\/openai.com\/news\/\">o3<\/a>\u201c bereits einen Nachfolger pr\u00e4sentiert, der in einigen KI-Benchmarks f\u00fcr Aufsehen gesorgt hat \u2013 auch wenn die Aussagekraft dieser Tests und Ergebnisse teils kritisch betrachtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein teurer Ansatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch: Reasoning-Modelle sind derzeit der gr\u00f6\u00dfte Trend in der Branche, um die Leistungsf\u00e4higkeit generativer KI weiter zu steigern. Allerdings ist dieser Fortschritt mit erheblichen Kosten verbunden, da der Rechenaufwand f\u00fcr solche Modelle deutlich h\u00f6her ist als bei klassischen, ohnehin schon rechenintensiven LLMs. Schlie\u00dflich werden im Hintergrund zahlreiche Abfragen kombiniert, um ein Ergebnis zu erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse dieser Modelle m\u00fcssen daher im Kontext ihrer hohen Kosten gesehen werden. So verursacht das leistungsst\u00e4rkste \u201eo3\u201c-Modell von OpenAI pro einzelne Abfrage Kosten von etwa 1.000 Dollar \u2013 kein Scherz. Technisch mag dies beeindruckend sein, doch ist der praktische Einsatz derzeit nur f\u00fcr sehr spezifische Szenarien sinnvoll. Gleichzeitig steht die Technologie noch am Anfang, und es bleibt spannend, ob sich sparsamere Modelle mit Reasoning-F\u00e4higkeiten kombinieren lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>OpenAI verliert seinen Vorsprung \u2013 und das ist gut so<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Betrachtet man die klassischen LLMs, war 2023 von einem technologischen Vorsprung seitens OpenAI gepr\u00e4gt. Ende 2024 hat sich das Bild jedoch grundlegend ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Benchmarks wie dem Chatbot Arena LLM Leaderboard wechseln sich seit Monaten verschiedene Anbieter an der Spitze ab. Mal f\u00fchrt OpenAI, mal andere Unternehmen. Aktuell liegen beispielsweise zwei Gemini-Modelle von Google vorn. Auch spezialisierte Modelle wie Claude 3.5 Sonnet von Anthropic haben sich eine Fangemeinde, insbesondere unter Softwareentwicklern, aufgebaut. Zudem r\u00fccken frei verf\u00fcgbare Modelle, oft irref\u00fchrend als \u201eOpen-Source-Modelle\u201c bezeichnet, zunehmend an die Leistungsspitze heran.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklung hat einen interessanten Effekt: Die Fixierung auf einzelne Modelle und Benchmark-Ergebnisse nimmt ab, da sie langfristig als technische Details in den Hintergrund treten. Beispiele wie Perplexity oder Coding-Assistenten wie Github Copilot zeigen, dass Dienste zunehmend mehrere Modelle unterschiedlicher Anbieter kombinieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Fokus liegt auf Anwendungen, nicht auf Modellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zuk\u00fcnftig d\u00fcrften Anwendungen st\u00e4rker im Fokus stehen als einzelne Modelle. Dies ist prinzipiell eine positive Entwicklung, bringt aber auch Unsicherheiten mit sich. Denn obwohl generative KI ein gro\u00dfes Thema ist, bleibt die Popularit\u00e4t der darauf basierenden Tools bislang begrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch im Jahr 2025 dominieren Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Claude den Bereich, w\u00e4hrend KI-gest\u00fctzte Tools in der Softwareentwicklung weit verbreitet sind. Andere Anwendungen sto\u00dfen hingegen bei der breiten \u00d6ffentlichkeit auf Desinteresse oder sogar Ablehnung. Dass Googles NotebookLM als das bemerkenswerteste neue KI-Tool des Jahres gilt, ist bezeichnend \u2013 weniger als Kritik an dem Tool, sondern als Hinweis darauf, dass viele andere Angebote aus dem KI-Bereich schlicht keinen Nerv der Nutzer treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft wirkt es, als suche die Branche verzweifelt nach einem Problem, das ihre L\u00f6sung rechtfertigt \u2013 mit entsprechend m\u00e4\u00dfigem Erfolg. Gro\u00dfe Initiativen wie Apple Intelligence, Microsoft Copilot oder Google Gemini in all ihren Auspr\u00e4gungen bleiben hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Weder ist ein Run auf KI-gest\u00fctzte Smartphones erkennbar, noch wechseln Nutzer massenhaft zu Microsofts Suchmaschine Bing, nur weil diese generative KI einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die wichtigsten Fortschritte werden oft \u00fcbersehen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn vieles daran richtig ist, bleibt ein abschlie\u00dfendes Urteil verfr\u00fcht. Denn eines sollte man nicht au\u00dfer Acht lassen: Es sind vor allem die hohen Kosten, die bislang den Einsatz leistungsstarker LLMs (Large Language Models) und die Entwicklung darauf basierender Anwendungen in vielerlei Hinsicht begrenzt haben. Doch genau in diesem Bereich hat das Jahr 2024 beachtliche Fortschritte gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen gibt es eine Vielzahl von LLMs, die zwar nicht ganz an die Leistungsf\u00e4higkeit der besten Modelle heranreichen, daf\u00fcr aber wesentlich effizienter und schneller arbeiten. Besonders Google hat mit seinen Gemini-Flash-Modellen hier gro\u00dfe Schritte gemacht. Diese Entwicklungen haben die Kosten f\u00fcr den Einsatz von LLMs deutlich gesenkt, was solche Modelle f\u00fcr viele Anwendungen attraktiver macht als die teuren Spitzenmodelle, die ohnehin nur wenige nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus er\u00f6ffnen die schnelleren Modelle ganz neue M\u00f6glichkeiten, etwa durch ihre F\u00e4higkeit, in Echtzeit auf Umgebungen zu reagieren \u2013 sei es auf Text, Sprache, Bilder oder Videos. Gerade im Hinblick auf die n\u00e4chste Generation von KI-Assistenten, die m\u00f6glicherweise sogar in smarten Brillen zum Einsatz kommen, sind das zweifellos wichtige technologische Fortschritte. Ob diese Entwicklung jedoch jedem gefallen wird, ist eine ganz andere Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die \u00c4ra der Agenten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer gro\u00dfer Trend, der f\u00fcr 2025 angek\u00fcndigt wurde, lautet: \u201eAgenten\u201c. Ein Begriff, der durchaus schwammig ist und in der Branche unterschiedlich interpretiert wird. Aber vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um spezialisierte KI-Systeme, die bestimmte Aufgaben selbstst\u00e4ndig und vollst\u00e4ndig erledigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Google als Vorreiter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein h\u00e4ufig genanntes Beispiel ist ein KI-Agent, der die Reiseplanung \u00fcbernimmt \u2013 von der Informationssammlung auf Basis der Vorlieben des Nutzers bis zur vollst\u00e4ndigen Organisation. Auch KI-Agenten, die bei allt\u00e4glichen Smartphone-Aufgaben helfen, fallen in diese Kategorie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Idee nicht neu ist, liegt der Fokus der Branche derzeit stark darauf. Google hat k\u00fcrzlich eine Reihe experimenteller Agenten vorgestellt, die von der automatischen Webrecherche direkt im Browser bis hin zur Unterst\u00fctzung beim Gaming reichen. Nat\u00fcrlich arbeiten auch andere Unternehmen an \u00e4hnlichen Konzepten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ambitionierte Zeitpl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Begeisterung scheinen die Erwartungen \u2013 vor allem im Hinblick auf die Zeitpl\u00e4ne \u2013 etwas \u00fcberzogen. Damit Agenten sinnvoll agieren k\u00f6nnen, brauchen sie umfassende Interaktionsm\u00f6glichkeiten mit den Daten und Systemen der Nutzer. Das birgt jedoch erhebliche Risiken in Bezug auf Manipulation und Sicherheit, wie selbst einige Entwicklerfirmen einr\u00e4umen. Ganz zu schweigen von den damit verbundenen Datenschutzfragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb ist es notwendig, neue Schutzmechanismen zu entwickeln, bevor diese Technologien breiter eingesetzt werden k\u00f6nnen \u2013 ein Prozess, der Zeit erfordert. Schon jetzt investieren die Hersteller erhebliche Ressourcen, um LLMs gegen sogenannte Prompt-Injection-Angriffe abzusichern, also etwa vor Manipulationen durch versteckte Befehle in E-Mails. Ein Agent, der sich frei im Internet bewegt und Aktionen im Namen des Nutzers ausf\u00fchrt, stellt allerdings eine viel gr\u00f6\u00dfere Herausforderung dar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher ist davon auszugehen, dass Agenten in naher Zukunft nur in stark eingeschr\u00e4nkten Anwendungsbereichen \u00fcber Prototypen hinausgehen werden. Ob sie dann tats\u00e4chlich so n\u00fctzlich sind, wie die Branche es erhofft, bleibt abzuwarten. Denn selbst bei niedrigen Fehlerraten besteht immer die Gefahr, dass diese Helferchen die Nutzer eher frustrieren als unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>War da nicht etwas mit Fehlern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Punkt, \u00fcber den die Branche nur ungern spricht, sind die Fehler der Systeme. Oft agieren LLMs wie ein nerviger Verwandter, der zu allem eine laute Meinung hat \u2013 die jedoch nicht immer korrekt ist. Auch wenn das \u00fcberspitzt klingt, bleibt das Problem der sogenannten \u201eHalluzinationen\u201c ungel\u00f6st. Zwar sind neuere Modelle weniger fehleranf\u00e4llig, die Fortschritte sind jedoch begrenzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Problem w\u00e4re weniger gravierend, wenn die Nutzer die Aussagen solcher Tools kritisch hinterfragen w\u00fcrden. Doch leider zeigt sich h\u00e4ufig das Gegenteil: Viele Nutzer nehmen die Ausgaben von KI-Systemen wie ChatGPT oder Perplexity f\u00fcr bare M\u00fcnze und verteidigen diese sogar vehement gegen Kritiker, die auf Fehler hinweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verst\u00e4rkt wird dieser unkritische Glaube durch \u201eQuellenverweise\u201c, die mittlerweile h\u00e4ufig angef\u00fcgt werden. Sie suggerieren Wissenschaftlichkeit und Glaubw\u00fcrdigkeit, auch wenn die verlinkten Artikel oft etwas ganz anderes aussagen, als die KI behauptet. Genau dieser Punkt steht im Zentrum einer Klage gegen Perplexity: Das Wall Street Journal wirft der KI-Suchmaschine vor, Zitate aus der Zeitung zu verf\u00e4lschen oder frei zu erfinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche sozialen Probleme k\u00f6nnten sich weiter versch\u00e4rfen \u2013 insbesondere, wenn Google seine Suchmaschine noch st\u00e4rker auf KI umstellt. Schon die aktuellen KI-basierten Suchergebnisse sind alles andere als fehlerfrei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rechtliche Fragen: Noch ungel\u00f6st<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zu vergessen sind die zahlreichen rechtlichen Fragen rund um die Erstellung von LLMs, insbesondere hinsichtlich des verwendeten Datenmaterials. Freundlich ausgedr\u00fcckt sind diese Fragen \u201eungekl\u00e4rt\u201c. Kritiker sehen jedoch eine bewusste Ignoranz der Branche gegen\u00fcber der Legalit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das mag seltsam erscheinen, ist aber aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar. In einer Hype-Phase z\u00e4hlt f\u00fcr Start-ups vor allem die Geschwindigkeit. Mit ausreichend Risikokapital geht es zun\u00e4chst darum, Marktanteile zu sichern. Die rechtlichen Fragen k\u00f6nnen \u2013 so die Strategie \u2013 sp\u00e4ter gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AGI: Ein vages Ziel mit gro\u00dfem Versprechen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schnelligkeit allein reicht nicht, wenn es kein klares Ziel gibt. In der KI-Branche hat sich der Begriff &#8222;Artificial General Intelligence&#8220; (AGI) \u2013 auf Deutsch &#8222;K\u00fcnstliche Allgemeine Intelligenz&#8220; \u2013 etabliert. Doch wie so oft ist auch dieser Begriff alles andere als pr\u00e4zise. Fragt man in der Branche, was AGI genau ist, bekommt man von zwei Experten oft drei verschiedene Antworten. Eine h\u00e4ufige Definition lautet: AGI ist eine KI, die die intellektuellen F\u00e4higkeiten von Menschen bei einer Vielzahl von Aufgaben \u00fcbertrifft. Aber das ist \u2013 gelinde gesagt \u2013 ein ziemlich ungenaues Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Unternehmen, die an AGI arbeiten, ist diese Unsch\u00e4rfe allerdings eher ein Vorteil. Der Begriff ist flexibel und l\u00e4sst sich je nach Situation anpassen. So kann man mit dem Versprechen von AGI immer wieder neues Kapital gewinnen, ohne sich auf eine feste Definition festlegen zu m\u00fcssen. Ein Paradebeispiel hierf\u00fcr ist OpenAI: Noch 2023 hatte CEO Sam Altman AGI als &#8222;l\u00e4cherlichen und bedeutungslosen Begriff&#8220; bezeichnet. Doch mittlerweile hat sich das Unternehmen offenbar mit Microsoft auf eine Definition geeinigt, die auf den ersten Blick fast erfrischend ehrlich wirkt \u2013 denn sie ist direkt an den wirtschaftlichen Erfolg von OpenAI gekoppelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fairerweise sollte man erw\u00e4hnen, dass Sam Altman k\u00fcrzlich in einem Blogbeitrag betonte, OpenAI habe jetzt einen klaren Plan in Richtung AGI. Details bleibt er schuldig, doch Begriffe wie &#8222;Reasoning-Modelle&#8220; und &#8222;Agenten&#8220; fallen dabei. Was auch immer man von solchen Aussagen h\u00e4lt, sie sind ohne Zweifel n\u00fctzlich, um die n\u00e4chste Finanzierungsrunde zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Profitabilit\u00e4t: Eine ferne Realit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Realit\u00e4t, \u00fcber die die KI-Unternehmen allerdings nicht gerne sprechen, ist die finanzielle Lage. Zwar erzielt OpenAI mit den kostenpflichtigen Versionen von ChatGPT Milliardenums\u00e4tze, doch von echter Profitabilit\u00e4t ist man weit entfernt. Sch\u00e4tzungen zufolge wird OpenAI im Jahr 2024 Einnahmen von rund 3,7 Milliarden Dollar erzielen, dabei jedoch Verluste in H\u00f6he von 5 Milliarden Dollar machen. Und das ist noch das optimistische Szenario \u2013 andere Unternehmen in der Branche sind wirtschaftlich noch schlechter aufgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Droht eine KI-Blase?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zahlen und die hochgesteckten Erwartungen f\u00fchren dazu, dass selbst traditionell optimistische Investoren immer skeptischer werden. So bezeichnete die Investmentbank Goldman Sachs KI k\u00fcrzlich als &#8222;\u00fcberhypt, extrem teuer und unzuverl\u00e4ssig&#8220;. Der Venture-Capital-Gigant Sequoia rechnete vor, dass es nahezu unm\u00f6glich sei, die immensen Investitionen in KI jemals wirtschaftlich zu rechtfertigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts dessen \u00fcberrascht es kaum, dass manche Beobachter davon ausgehen, dass die KI-Blase bereits 2025 platzen k\u00f6nnte. Die Diskrepanz zwischen den enormen Erwartungen und dem tats\u00e4chlichen Nutzen sowie der Monetarisierbarkeit der Technologie ist einfach zu gro\u00df. Ob es tats\u00e4chlich so kommt, bleibt abzuwarten \u2013 aber die M\u00f6glichkeit besteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist dabei, dass das Platzen einer solchen Blase nicht das Ende der Technologie bedeutet. Generative KI hat zweifellos ihre n\u00fctzlichen Einsatzbereiche, und diese sind inzwischen weitgehend unbestritten. Die eigentliche Frage ist, ob die aktuellen Investitionen und Bewertungen nachhaltig sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein neuer Hype ist nur eine Frage der Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr alle, die sich Sorgen um die Tech- und Investmentbranche machen, gibt es jedoch keinen Grund zur Panik. Selbst wenn der KI-Hype abflachen sollte, wird es fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ein neues Feld f\u00fcr spekulative Investitionen geben. Das hat die Vergangenheit mehrfach gezeigt. Die Branche zieht einfach weiter \u2013 zum n\u00e4chsten gl\u00e4nzenden Objekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein hei\u00dfer Kandidat daf\u00fcr zeichnet sich bereits ab: Quantencomputing. Vor Kurzem verk\u00fcndete Google einen Durchbruch bei der Fehlerkorrektur in Quantencomputern. Daraufhin explodierten die Aktienkurse von Start-ups wie Rigetti Computing \u2013 teilweise um fast 2000 Prozent. Dass es noch viele grundlegende Herausforderungen gibt, bevor Quantencomputer wirklich praktisch einsetzbar sind, scheint dabei kaum jemanden zu st\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Blase oder nicht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Anfang der Woche f\u00fchrten fallende Tech-Aktien zu einem deutlichen R\u00fcckgang an den B\u00f6rsen. Hat der Markt die Begeisterung f\u00fcr KI-Unternehmen also \u00fcbersch\u00e4tzt? Die technologische Entwicklung spricht eher dagegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist der Hype um k\u00fcnstliche Intelligenz der Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine Blase? Diese Frage wird oft gestellt, und die kurze Antwort lautet: Nein. Zumindest nicht, wenn man den Begriff \u201eBlase\u201c mit der \u00bbNew Economy\u00ab-\u00c4ra um die Jahrtausendwende vergleicht. Damals wurden die meisten Start-ups massiv \u00fcberbewertet, hatten keine tragf\u00e4higen Gesch\u00e4ftsmodelle und damit keine Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine Kurskorrekturen bei den gro\u00dfen KI-Profiteuren geben k\u00f6nnte. Ebenso wenig ist sicher, dass jedes derzeit hoch bewertete KI-Start-up \u00fcberleben wird \u2013 das liegt in der Natur von Neugr\u00fcndungen. Um die Frage nach einer m\u00f6glichen KI-Blase umfassend zu beantworten, muss man jedoch sowohl den Hype um KI als auch die Grundlagen f\u00fcr die Diskussion einer solchen Blase genauer analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gigantische Fortschritte, unklare M\u00e4rkte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer der gr\u00f6\u00dften Gewinner der KI-Entwicklung der letzten eineinhalb Jahre ist ohne Zweifel Jensen Huang, Gr\u00fcnder und CEO von Nvidia \u2013 der Chipfirma ohne eigene Fabriken, die zeitweise das wertvollste Unternehmen der Welt war. Vor einigen Wochen \u00e4u\u00dferte Huang interessante Gedanken, die Hinweise auf die Entwicklung des KI-Marktes geben k\u00f6nnten. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen KI als Technologie und dem Markt f\u00fcr KI-Produkte. W\u00e4hrend KI-Forschung enorme Fortschritte erzielt, hinkt die Vermarktung von KI-Produkten noch hinterher. Das ist bei neuen Technologien \u00fcblich, aber im Fall von KI scheint dieser Abstand gr\u00f6\u00dfer zu sein als bei fr\u00fcheren Tech-Innovationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schnelle Verbreitung von KI-Modellen wie ChatGPT hat das Thema zwar weltweit in den Fokus ger\u00fcckt, doch die M\u00e4rkte, die durch diese Technologien entstehen, entwickeln sich langsamer. Die Transformation durch KI hat begonnen, aber es bleibt schwierig, genau zu sagen, wo die erhofften gigantischen Wertsch\u00f6pfungsvorteile f\u00fcr Investoren tats\u00e4chlich entstehen werden. Es ist vergleichbar mit der Erfindung des Verbrennungsmotors: Die Technologie war da, aber das Automobil als Massenprodukt noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Visionen von humanoiden Robotern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf einer Konferenz in Taiwan im Juni 2024 erkl\u00e4rte Huang: \u201eDie n\u00e4chste Welle der KI wird materielle KI sein \u2013 KI, die physikalische Gesetze versteht und mit Menschen zusammenarbeitet.\u201c Sp\u00e4ter konkretisierte er, dass er humanoide Roboter als allt\u00e4gliche Helfer in praktisch jedem Haushalt sieht. Elon Musk \u00e4u\u00dferte wenige Tage sp\u00e4ter eine \u00e4hnliche Vision und prognostizierte, dass Roboter in Zukunft zehnmal h\u00e4ufiger vorkommen k\u00f6nnten als Autos. Diese Aussagen sind nicht zuf\u00e4llig: Der Automobilmarkt war einer der gr\u00f6\u00dften und lukrativsten M\u00e4rkte der Neuzeit. \u00c4hnliche Potenziale sehen Huang und Musk nun bei humanoiden Robotern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Musk ging sogar so weit, mit Teslas humanoidem Roboter \u201eOptimus\u201c konkrete Zahlen zu nennen: Eine Milliarde Roboter k\u00f6nnten pro Jahr verkauft werden, wobei Tesla mit einem Marktanteil von 10 Prozent Ums\u00e4tze im Billionenbereich erzielen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Herausforderungen der Massenmarkttauglichkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Entwicklung humanoider Roboter rasant voranschreitet, ist ihr breiter Einsatz im Alltag noch Zukunftsmusik. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Robotik-Start-up \u201eFigure\u201c, das im August 2024 sein Modell \u201e02\u201c pr\u00e4sentierte, das derzeit in einem BMW-Werk getestet wird. Solche Fortschritte sind beeindruckend, aber der Alltag stellt f\u00fcr humanoide Roboter ungleich gr\u00f6\u00dfere Herausforderungen dar als die kontrollierten Umgebungen einer Fabrikhalle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es zeigt sich: Der KI-Markt ist momentan noch zu komplex und diffus, um eine verl\u00e4ssliche Grundlage f\u00fcr Investoren zu bieten. Es gibt zahlreiche M\u00f6glichkeiten, aber bisher nur wenige konkrete Produkte. Das ist typisch f\u00fcr neue Technologien, aber in unsicheren Zeiten wirkt das auf Investoren oft abschreckend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit: Mehr Transformation als Blase<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion um eine m\u00f6gliche KI-Blase sollte differenziert gef\u00fchrt werden. Die Technologie selbst hat bereits enorme Fortschritte gemacht und bietet erhebliche Vorteile in Bereichen wie Textzusammenfassung, Software-Entwicklung und Gesch\u00e4ftsprozessen. Die Frage ist nicht, ob KI die Wirtschaft ver\u00e4ndert, sondern wann und wie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klar ist: Die Transformation der Wirtschaft und Arbeitswelt durch k\u00fcnstliche Intelligenz ist unumkehrbar. Bis sich jedoch die gr\u00f6\u00dften und nachhaltigsten M\u00e4rkte herauskristallisieren, wird es Entt\u00e4uschungen, Korrekturen und vereinzelte Teilblasen geben. Doch die gesamte KI-Branche als Blase zu betrachten, w\u00e4re falsch \u2013 daf\u00fcr findet schon heute zu viel Wertsch\u00f6pfung statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tsch\u00fcss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr einige scheint K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) die Antwort auf nahezu alle Probleme zu sein, w\u00e4hrend andere sie als \u00fcbertriebenen Hype ansehen, der sich aus gigantischen Datensammlungen speist. 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